Weiterhin tobt der Krieg in der Ukraine. Wer hätte das für möglich gehalten? Dass eine der großen Weltmächte seine Macht dermaßen missbraucht und aus einem selbstverliebten Machtanspruch heraus Krieg gegen sein Nachbarland führt? Von einer „Zeitenwende“ ist deshalb sogar die Rede.

Längst sind bei den Älteren Erinnerungen wachgerufen worden, Erinnerungen, die jahrzehntelang im Frieden ruhen durften. Kinder beginnen ängstlich zu fragen, ob der Krieg auch zu uns kommt. Und Jugendliche äußern mehr denn je ihre Sorgen über diese Welt, in die sie hineinwachsen.

Auch ich habe tiefgreifende Sorgen und stehe vor vielen Fragen. Frage mich nicht nur, wie es dazu kommen konnte. Frage mich vor allem, wie man aus diesem Irrsinn einen Weg herausfinden kann. Einen Weg, der den Krieg stoppt und dem Leid ein Ende setzt. Und zwar schnell! Und dieser Weg, er müsste auch für ein „Danach“ das Zusammenleben möglich machen – auf der politischen und genauso auf der zwischenmenschlichen Ebene.

Doch nicht erst seit dem 24. Februar wird Krieg geführt. Laut der „Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung“ der Universität Hamburg gab es 2020 weltweit 29 Kriege und bewaffnete Konflikte. Wir sollten uns daher auch selbstkritisch befragen, weshalb uns dieser Krieg so bewegt.

Vielleicht ist es so: Je näher etwas an mich herankommt, umso weniger kann ich den Blick davor verschließen. Bei aller Selbstkritik, mir tut es gut zu sehen, dass überall auf der Welt Menschen verstärkt für den Frieden demonstrieren! Selbst in Russland, und das unter Lebensgefahr.

Es tut gut zu sehen, dass so viele Menschen, Junge wie Alte, trotz der Realität des Krieges Kriege nicht klaglos hinnehmen wollen. Deutlich machen, dass es für Krieg keine Rechtfertigung gibt! Und mir tut es gut mich zu erinnern, dass Gott das Leben liebt und Frieden verheißt!

Ein Gedankensprung: Überall sitzen Menschen zusammen und essen. Die Kinder haben mit großer Freude gefärbte Eier und Süßes gesucht. Überall haben sie nachgeschaut, hinter jedem Strauch und in jede Astgabel. In den Gottesdiensten wurde fröhlich gefeiert, oft verbunden mit einer Taufe. Denn an diesem Tag wird das Leben gefeiert. Ostern feiern wir Jesu Auferstehung, vergegenwärtigen uns, dass Gott ein Gott des Lebens ist.
Auf dieses Fest gehen wir gerade zu, auch wenn es noch unwirklich erscheint, bei all den schrecklichen Bildern und Nachrichten, die wir sehen. Genauso unwirklich wie der Weg an sich, der uns zum Osterfest führt. Immer kommen wir von Gründonnerstag und Karfreitag her. Haben Verrat und Ohnmacht mitempfunden und die Totenstille ausgehalten, als Jesus starb. Und glauben dennoch, dass sein Tod nicht das Ende war, sondern der Anfang von etwas Neuem gewesen ist, und feiern Ostern.
Der Gedanke, dass das Leben einen Weg findet und alles neu werden kann, stärkt mich und lässt mich auch jetzt weiter hoffen. Denn ich will meine Hoffnung nicht verlieren und weiterhin an eine Lösung glauben.

Ich will tun, was ich dafür tun kann. Erbitten, was nicht in meiner Hand liegt. Und klagen, wenn es noch dauert bis zu einem Neubeginn. Doch mein Glaube hält die Hoffnung in mir wach und bestärkt mich, mich für den Frieden einzusetzen – für den Frieden in der Welt, für den Frieden in der Ukraine, für den Frieden überall da, wo ich mit anderen zusammenleben. Auf dass wir wieder das Leben feiern können – überall.
Dafür durchdringe uns Gottes guter Geist; er möge auch die Mächtigen dieser Welt erfüllen und zur Umkehr und zum Neuanfang bewegen!

Mit österlichen Grüßen, Pastorin Katja Hermsmeyer