„Lesezeichen“ – Literaturgottesdienste im Sommer

Wir möchten unsere liebgewonnene Tradition der Sommerkirche mit den „Lesezeichen“-Gottesdiensten auch in diesem Jahr fortsetzen. Die Corona-Pandemie und die zu befolgenden Handlungsempfehlungen führen jedoch zu kleinen, aber notwendigen Veränderungen.

Wir achten auf die Handdesinfektion und auf das Tragen einer Nase-Mund-Maske beim Betreten und Verlassen der Kirche. Während des Gottesdienstes kann, am Platz sitzend, die Maske angenommen werden. Leider ist es nicht möglich, im Anschluss zum Kirchkaffee einzuladen und auch einen Büchertisch wird es nur in der Buchhandlung geben. Doch, um möglichst vielen die Gelegenheit zu geben, den Gottesdienst besuchen zu können, feiern wir in diesem Jahr sonntags denselben Gottesdienst dreimal: in Heiligenfelde um 9:30 Uhr, um 11 Uhr in Syke und um 18 Uhr in Barrien.

Anmeldung erbeten

Da die Sitzplätze in unseren Kirchen zurzeit noch begrenzt sind, empfehlen wir eine Voranmeldung, um niemanden abweisen zu müssen. Sie können sonntags aber auch spontan ihr Glück versuchen. Für die Gottesdienste, die in Heiligenfelde gefeiert werden, erfolgt die Anmeldung über das Gemeindebüro Heiligenfelde (Tel.04240-242 (AB) oder Email: kg.heiligenfelde@evlka.de), für die Gottesdienste in Syke im Gemeindebüro Syke und für Barrien in Barrien. Für Barrien erfolgt die Anmeldung in der Zeit vom 25.-31.7. urlaubsbedingt direkt bei Pastorin Hedel (Tel. 04242-1690840 oder Email: katja.hedel@evlka.de). Anmeldung sind von Montag bis Mittwoch für den jeweiligen Sonntag möglich.

Wir wünschen Ihnen viel Freude und eine schöne Sommerzeit!

Die Bücher der „Lesezeichen“-Gottesdienste

Den Auftakt der Sommerkirche macht am 19. Juli Pastor Dr. Christian Kopp mit „Die unendliche Geschichte“. Es ist alles andere als ein schlichtes Jugendbuch, das Michael Ende geschaffen hat. Zu Recht hielt sich das Buch aus dem Jahr 1979 über 113 Wochen auf dem ersten Platz der Spiegel-Bestsellerliste. Erzählt wird darin ein phantastischer Kampf um das eigene Selbst. Die Lüge bedroht das herrliche Reich Phantásien. Alles Schöpferische, Mutmachende und Sinngebende wird vom Nichts zerstört. Doch Bastian Baltasar Bux wagt den Sprung in die Geschichte und begegnet dabei nicht nur dem jungen Krieger Atréju und dem wunderbaren Glücksdrachen Fuchur, er begegnet auch einer Herrscherin, deren Reich nicht von dieser Welt ist. Am Ende muss Bastian alles verlieren, um alles zu gewinnen – und taucht ein in das Wasser des Lebens. So begegnen sich in „Die unendliche Geschichte“ auch Motive aus einer ganz anderen „unendlichen Geschichte“, nämlich aus der zwischen Gott und uns Menschen, so wie sie uns die Bibel erzählt.

Am 26. Juli stellt uns Pastorin Johanna Schröder das Buch „Oscar und die Dame in Rosa“ von Eric-Emmanuel Schmitt vor. Das ganze Leben in 12 Tagen: Kindheit, Jugend, Hochzeit, Midlife-Crisis, Altern. Oscar ist zehn Jahre alt und erlebt das ganze Leben in 12 Tagen. Oscar hat nur noch 12 Tage. Er weiß, dass er sterben wird. „Eierkopf“ nennen ihn die anderen Kinder, aber das ist nicht so schlimm. Schlimm ist, dass seine Eltern solche Angst haben, mit ihm über das Sterben zu reden. Die Hospizbegleiterin Oma Rosa initiiert das große Spiel der Reise durch das Leben in 12 Tagen. Sie bringt ihn auch auf die Idee, alles was ihn beschäftigt in Briefen an den lieben Gott aufzuschreiben. Unsentimental, fröhlich und uner-schrocken erzählt dieses Buch aus der Sicht von Oscar über Liebe, Schmerz, Freude und Verlust und über einen wachsenden Glauben.

Sie sind so klein und doch ganz groß: die fleißigen Bienen. Und genau um diese geht es im Roman von Maja Lunde „Die Geschichte der Bienen“. In drei Handlungs- und Zeitsträngen nimmt uns am 2. August Pastorin Katja Hedel mit in das Leben von Menschen, das durch die Beziehung zu den Bienen bzw. durch das Fehlen von diesen beeinflusst ist. 1885 ist die Bienenwelt für den Biologen und Samenhändler William noch in Ordnung. 2007 lebt der Imker George. Auf einmal sind alle Bienen weg. 2098 bestäubt Tao die Bäume mit der Hand, denn Bienen gibt es schon lange nicht mehr. Neben der offensichtlichen Thematik, dem Umgang mit unserer Natur, soll es in diesem Gottesdienstauch darum gehen, welch wesentliche Bedeutung manchmal auch das Kleine und scheinbare Nebensächliche im Leben hat. Was passiert, wenn ein winziges kleines Puzzleteil plötzlich aus dem Gesamtbild herausgenommen wird?

„Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden.“ – Das ist das erste, woran Pastorin Albertje van der Meer gedacht hat, als sie den Titel des Buches las. „Denn es will Abend werden“, von Anna Enquist. Das Lied, die Melodie begann sofort in ihr zu klingen. Bewegt von der ganz persönlichen Lebenssituation hat sie dieses Buch angesprochen, das sie am 9. August vorstellen wir: Jochem, Carolien, Hugo und Heleen, sie haben ein traumatisierendes Unglück erlebt. Die vier Freunde sind danach nicht mehr dieselben wie zuvor. Zuvor trafen sie sich zum gemeinsamen Musizieren als Streichquartett. Danach gehen sie je eigene Wege. Und doch sehnen sie sich nach Freundschaft, Begegnung und vertrauter Verbundenheit.

Eine Entdeckung ist der Berliner Roman von Gabriele Tergit „Effingers“. Das wahrlich dicke Buch braucht einen langen Atem und beschert Leseglück. Die Autorin erzählt die Geschichte zweier jüdischer Familien. Wir folgen mit ihr den Wegen der Familien des frommen, bescheidenen Uhrmachermeisters Matthias Effinger in einem süddeutschen Städtchen und der assimilierten Bankiers Oppner und Goldschmidt im Berliner Tiergartenviertel vom Kaiserreich bis zum Holocaust. Die lange vergessene Autorin, 1894 als Elise Hirschmann in Berlin geboren, war während der „goldenen“ 20er Jahre ein Star im Literaturbetrieb. 1932 begann sie, an ihrem Buch Effingers zu arbeiten; 1933 musste sie über Prag nach Palästina und später London fliehen, dort beendete sie das Manuskript 1950. Die gelernte Zeitungsreporterin schreibt inspiriert von lebendigen Vorbildern aus ihrer Umgebung in kurzen Kapiteln einen temporeichen Stil. Am 16. August, am Israelsonntag im Kirchenjahr, führt uns Pastorin i.R. Marikje Smid in den packend und spannend geschriebenen Roman ein und zeigt uns eine in der Nachkriegszeit verschwundene Welt des deutsch-jüdischen Bürgertums.

Zum Abschluss der Sommerkirche am 23. August stellt uns Pastorin Susanne Heinemeyer mit „Namiko und das Flüstern“ von Andreas Séché eine poetische, bezaubernde Geschichte vor. Dass diese Reise sein Leben so grundlegend verändern würde, damit rechnet der deutsche Journalist nicht, als er nach Japan fliegt, um über Gartenkunst zu schreiben. In den Gärten Kyotos begegnet er einer jungen Studentin, die in ihrer erfrischenden, sanften und geheimnisvollen Art eine große Faszination auf ihn ausübt. Namiko liebt es, verborgene Geschichten aufzuspüren, die Gesten der Natur zu entschlüsseln und die leisen Töne des Lebens zu deuten. Die beiden streifen gemeinsam durch die Gärten Kyotos, wobei die junge Japanerin den deutschen Journalisten eine neue Sichtweise des Lebens lehrt, in der das Behutsame und scheinbar Kleine, die Natur und die Musik eine bedeutsame Rolle spielen. Der 29-jährige Journalist steht vor einer großen Entscheidung – und macht die Entdeckung seines Lebens.