„Leichtes Gepäck“

Ansprache auf dem Erntefest in Heiligenfelde

Jetzt im Herbst steht bei mir an, dass ich meine Sommersachen zur Seite räume und im Kleiderschrank meine Pullis und Strickjacken griffbereit aufhänge.

Vielleicht geht es Ihnen und Euch dabei wie mir: ich bekomme bei diesem Umsortieren Klamotten in die Hand, die ich ewig nicht anhatte und ich denke mir: „Eigentlich müsste ich dringend ausmisten!“ Unglaublich, was sich im Laufe der Zeit alles ansammelt!

Und wenn ich mit Freunden über dieses „Phänomen“ spreche, dass die Schränke und Regale immer voller werden, dann ist da fast immer ein Aufseufzen zu hören. Auszumisten oder entrümpeln, das ist gar nicht so leicht! Deshalb gibt’s dazu inzwischen wohl auch die unterschiedlichsten Ratgeber in der Buchhandlung zu kaufen.

Und es gibt auch ein Lied, das mir in diesem Zusammenhang immer wieder durch den Kopf geht.          (Einspielung „Leichtes Gepäck“ von Silbermond)

„Leichtes Gepäck“ heißt dieses Lied von Silbermond, vier Jahre ist es inzwischen alt und trotzdem ist es mir immer noch, immer wieder im Ohr. Denn der Text trifft ziemlich gut das Gefühl, das mich immer wieder beschleicht, wenn es heißt: „Du siehst dich um in deiner Wohnung, siehst ein Kabinett aus Sinnlosigkeiten. Siehst das Ergebnis von Kaufen und Kaufen, von Dingen, von denen man denkt, man würde sie irgendwann brauchen.“

Im Refrain wird die Lösung angeboten: „Und eines Tages fällt dir auf, dass du 99 Prozent davon nicht brauchst. Du nimmst all den Ballast, und schmeißt ihn weg. Denn es reist sich besser, mit leichtem Gepäck.“

„Leichtes Gepäck“: Das tut mir gut. Nicht nur bei Wanderungen, wo ich sowieso nur das Nötigste auf dem Rücken trage. Sondern eben auch in meinem ganz alltäglichen Leben. All die vielen Sachen, die mir gehören und die zu mir gehören, sind ja nicht immer nur nützlich und eine Freude. Sie können zum Ballast werden, den ich mit mir herumschleppe.

„Die Armee aus Schrott und Neurosen auf deiner Seele wächst. Immer mehr hängt immer öfter blutsaugend an deiner Kehle“ singt Steffi von Silbermond.

Wenn ich davon einiges abwerfen kann: Dann habe ich nicht nur das Gefühl, mein Heim ist leerer und leichter geworden. Sondern: Ich bin es auch. Ich fühl mich besser, im wahrsten Sinn des Wortes: erleichtert.

„Ab heut, nur noch die wichtigen Dinge. Denn es lebt sich besser, so viel besser, mit leichtem Gepäck.“

Das Lied stellt mich infrage, stellt mir die Frage, was ich für ein gutes, zufriedenes Leben wirklich brauche. Auch die Bibel stellt diese Frage und kommt zu dem Schluss, dass die Sachen, die vergänglich sind, die rosten können oder von Motten angeknabbert werden, oft reiner Ballast sind und eben nicht das, was zählt, wenn man gefragt wird, ob man ein glückliches Leben hat.

Liebe Festgemeinde, ausmisten und Ballast abwerfen: Das ist etwas, was mir individuell gut tut, was uns allen gut tut: Mit „leichtem Gepäck“ zu leben.

Darin liegt auch eine gesellschaftliche, eine politische Botschaft vorborgen. Der Aufruf „Leichtes Gepäck“ richtet sich gegen das Credo: Immer mehr haben zu wollen oder auch zu müssen. Daher ist es im Kern eine provozierende Botschaft, wenn ich sage: Ich möchte mit weniger auskommen. Ich brauche all diese Dinge nicht. Und es ist vor allem die jüngere Generation, die ganz aktuell die Frage danach stellt, welche Güter wir brauchen und was es dagegen wirklich braucht, damit die Welt nicht vollends aus den Fugen gerät.

Diese Frage nach dem „leichten Gepäck“, sie ist daher für mich daher nicht nur eine persönliche, sondern eine gesellschaftliche, eine religiöse Frage. Denn sie ist auch die Erinnerung an unseren Auftrag die Schöpfung zu bewahren. Und das Umdenken, die Veränderung, die beginnt mit jedem von uns!

Heute feiern wir zusammen das Erntefest, in der nächsten Woche in unseren Kirchen Erntedank. Und danken, ja, danken hat für mich immer auch etwas mit denken zu tun. Mit nachdenken, wie heute über diesen Songtext.