„Heute setzt die Welt ein Zeichen!“

Landesbischof Ralf Meister bei FRIDAYS FOR FUTURE

Rund 30.000 Menschen haben sich an den Demonstrationen, Veranstaltungen und Andachten beim Generalstreik für das Klima in Hannover beteiligt.

Landesbischof Ralf Meister sprach zum Auftakt des Sternmarsches am Startpunkt am Altenbekener Damm. Er gehöre zu einer Generation, die viel zu wenig gegen den Klimawandel getan habe. „Eine von euch hat mir neulich gesagt: ‚Ihr seid die Generation, die es verkackt hat‘. Damit hat sie recht,“ sagte der Landesbischof.

Er ermutigte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Protestzugs weiter zu demonstrieren und sich in den nächsten Wochen und Monaten, aber auch in den kommenden Jahrzehnten weiter so intensiv für den Klimaschutz einzusetzen. „Ihr seid Teil der weltweit größten, friedlichen Jugendbewegung, die es jemals gegeben hat. Macht weiter!“

Im Vorfeld des Sternmarsches hatten sich hunderte kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Diskussionsveranstaltungen, Workshops und Andachten beteiligt.

In Hannover folgen am 20.09.2019 zahlreiche Menschen dem Aufruf von Fridays for Future zum globalen Klimastreik. Foto: Jens Schulze

Die Rede von Landesbischof Meister im Wortlaut

„Liebe Schülerinnen und Schüler, wenn man von etwas geträumt hat bei der Frage der Klimagerechtigkeit, dann von einem solchen Miteinander wie Ihr das hier heute zeigt. Toll, dass Ihr heute da seid. Das ist ein super starkes Zeichen nicht nur für Hannover, sondern für ganz Deutschland.

Ich stehe hier, weil ich 1981 eine Spiegel-Artikel gelesen habe. 1981 wart Ihr alle noch gar nicht geboren. Da war ich 19 Jahre alt und der Titel vom Spiegel-Artikel hieß: Der Wald stirbt.

38 Jahre später stehe ich wieder hier an so einer Stelle und sage: Ich gehöre zu einer Generation, die nicht genug getan hat. Vor wenigen Wochen hat irgendjemand von Euch mal ganz laut gesagt: „Du gehört zu einer Generation, die die Sache verkackt hat.“

Ich gehöre zu einer Generation, die nicht ernsthaft genug den Wandel eingeleitet hat. Ich gehöre zu einer Generation, die ignoriert hat, dass wir um die Zukunft unserer Erde ringen müssen.

Ihr aber steht für einen Aufbruch von Jugend weltweit. Wahrscheinlich gehört ihr zur weltweit größten Jugendbewegung, die es friedlich jemals auf diesem Planeten gegeben hat. Macht weiter!

Ihr habt schon bis jetzt in den vergangenen Monaten so starke Zeichen der Aktivität, der Gewaltlosigkeit und des Ideenreichtums gesetzt. Und ich sage: Macht weiter!

Ihr habt ein so starkes Zeichen gesetzt, dass wir Alten von Euch Jungen lernen. Früher haben nur die Jungen von Alten gelernt. Mit Eurer Generation und mit dieser Initiative beginnt ein Lernprozess, in dem wir, meine Generation, etwas lernen kann von Euch: Wie man diesen Planeten retten kann. Und ich sage Euch: Macht weiter!

Klimagerechtigkeit gibt es nur ohne Gewalt. Das habt Ihr gezeigt. Wenn wir Alten heute mit Euch auf die Straße gehen, dann deshalb, weil Eure Zivilcourage und Euer Mut uns überzeugt haben.

Eine Bitte habe ich: Bleibt hartnäckig und bleibt geduldig: Der Kampf, den Ihr kämpft, ist ein Kampf, den Ihr Jahrzehnte in Eurem Leben weiter kämpfen müsst. Seid barmherzig, geduldig und widerständig. Denn in zwei Monaten, in zwei Jahren und in zwanzig Jahren ist die Sache noch nicht gerettet. Darum bleibt treu zu den Zielen, die Ihr jetzt formuliert.

Ich danke Euch für die ganze Energie, die Ihr auf den Platz bringt, die Ihr in diese Stadt bringt, die Ihr in Eure Schulen und Eure Familien bringt. Ich sage Euch: Macht weiter. Und Gott segne Euren Weg und uns diesen gemeinsamen Tag.“